Hier und dort

Die tägliche Arbeit, die tägliche Routine. Ich bin beschäftigt, mache meinen Job, spiele meine Rolle. Ich könnte beliebig tief hineintauchen, könnte meine Position ausspielen, mich der Geldmaschine ausliefern, ihre Regeln übernehmen und selbst viel Geld verdienen.

Aber es gibt noch die andere Welt: Bücher, Gedanken, Diskussionen, Philosophie, Religion, der Blick in die Vergangenheit. Mit den Jahren erkenne ich immer deutlicher, dass dies die Themen sind, die bleiben werden, auch wenn ich mir davon nichts kaufen kann. Denn schließlich bin ich kein Schriftsteller geworden, kein Philosophie-Professor, ja noch nicht einmal ein Erzieher. Ich trage meine Gedanken mit mir herum, habe nie gelernt, sie in einen größeren Zusammenhang zu bringen, sie zueinander in Beziehung zu setzen und sie vernünftig zu Papier zu bringen. Im Ergebnis bin ich nun zwischen den beiden Welten gelandet: im Brotberuf ein leidliches Auskommen, aber unzufrieden und in der anderen Welt keinen festen Fuß gefasst. Aber es bleiben hoffentlich noch einige Jahre, vielleicht komme ich doch noch dort an.

Veröffentlicht in: on 4. März 2008 at 22:27 Kommentare (0)
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Warum schreibe ich diesen Blog?

Millionen Leute schreiben jetzt an ihren Blogs, jeder hat irgend etwas mitzuteilen, vielleicht finden sich andere Menschen, die daran Interesse finden. Ich habe heute und auch in den vergangenen Tagen nicht viel zu erzählen, oder sollte es irgend jemanden interessieren, dass ich den Tag im Büro verbracht und mich mit dem täglichen Einerlei befasst habe? An einem Meeting teilgenommen, ein anderes richtiggehend geschwänzt habe, mehrere Dutzend Mails geschrieben. Hin und wieder etwas Ärger über schwierige Kollegen verspürt habe und am Ende nach Hause gefahren bin. Wenigstens die Fahrt auf dem Rad durch die kalte Abendluft ist berichtenswert. Am Fluss entlang, vorbei an der Baustelle, wo das Scheinwerferlicht den Platz erhellt, an der nun verwaisten Restaurantterrasse vorbei, die im Sommer jeden Tag voller Leute war. Läufer kommen mir entgegen, ich denke daran, auch wieder mit dem Laufen zu beginnen, wenigstens an Abenden wie diesem, der mit null Grad doch zu kalt zum Rennrad-Training ist.

Veröffentlicht in: on 17. Dezember 2007 at 20:56 Kommentare (0)
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Gläserner Blogger

Es gibt heute Abermillionen von Blogs, Forumeinträgen, Querverweise, soziale Netzwerke (Xing) - überall geben wir fleissig unsere Meinungen kund, belegen unsere Beiträge mit Tags und stellen Beziehungen her. Alles natürlich freiwillig, keiner zwingt uns dazu. Die freundlichen Betreiber der Blog-Plattformen und Netzwerke versichern uns in ihren Geschäftsbedingungen mit den Daten sorgfältig umzugehen (siehe auch aktuelle Diskussion bei Sprechblase

 Aber: Wer garantiert uns, dass unsere Hinterlassenschaften auch noch in 10 Jahren mit gleicher Sorgfalt behandelt werden? Harmlos gestartete studentische Netzwerke werden von Medien-Multis aufgekauft und in andere Plattformen integriert, nicht auszudenken, was interessierte Marktforscher hieraus ableiten können.

Die Plattformen werden in Ländern betrieben, deren Regierungen - aus welchen Gründen auch immer - ein besonderes Interesse an Meinungsäußerungen von Ausländern haben können.

Und was wird passieren, wenn es zu gesellschaftlichen Umwälzungen kommt (aktuelles Beispiel: Russland) und eine freiheitlich-demokratische Rechtsordnung in ein totalitäres Regime mutiert, staatliche Stellen sich Zugriff auf die Datenbanken der Betreiber verschaffen und retrospektive Untersuchungen starten? Wird man uns morgen für unsere legitimen Meinungsäußerungen von heute verfolgen? 

Veröffentlicht in: on 5. Dezember 2007 at 21:25 Kommentare (0)
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Rente und Maschinensteuer

Wiederum gibt es Diskussionen, das Renteneintrittsalter hochzusetzen, vielleicht sogar bis auf siebzig Jahre. Jedem wird klar, das dies nur eine Methode ist, die Renten zu drücken, da die Rentenkassen nachweislich nicht mehr die Last aus der höheren Lebenserwartung tragen können, auch aufgrund der Diskrepanz zwischen Beschäftigten und Rentnern.

Wichtige Leute diskutieren, es wird gefordert, dass die Arbeitnehmer noch stärker auf Eigenvorsorge setzen sollen, dass sie flexibel bleiben sollen, um auch im Alter noch arbeiten zu können (Beispiel: der Dachdecker, der mit 55 und Rückenproblemen einfach mal in einen Bürojob wechselt).

Auf der anderen Seite höre ich wiederum, dass sich die Einkommensschere in Deutschland im vergangenen Jahr nochmals weiter geöffnet hat und die Nicht-Selbständig Beschäftigten deutlich geringere Einkommenszuwächse erzielt haben als Führungskräfte und Kapital-Eigentümer.

Die Produktivität der Arbeitnehmer ist so hoch wie nie - kein Wunder, denn wir haben durch den Einsatz und die Weiterentwicklung intelligenter Hilfsmittel (”Maschinen” - Computer - Kommunikationssysteme) eine große Zahl an Arbeitskräften freigesetzt. Es bleiben die Kapitaleigner, Organisierer (= Manager) und die Ingenieure, interessanterweise sind das genau die Gruppen, die in den letzten Jahren die hohen Einkommenszuwächse erzielt haben.

Hin und wieder hört man in diesem Zusammenhang das Wort “Maschinensteuer” - zumeist wird das Thema als linke Spinnerei abgetan, was es zum Teil leider auch ist.

Gehen wir aber einmal ganz an den Anfang zuück: Warum hat der Mensch sich Werkzeuge gemacht? - Um die notwendigen Arbeiten schneller erledigen zu können und sich stattdessen angenehmeren Tätigkeiten widmen zu können (z.B. der Kunst). Wenn wir nun gezwungenermaßen wegen des Einsatzes von Maschinen freigesetzt wurden - warum sollen die Maschinen nicht für uns arbeiten, warum sollen nicht Alle von ihnen profitieren?

Übertragen auf die Altersrente: Die Rendite aus der Einführung von Maschinen wäre zu verteilen an die nicht mehr benötigte Arbeitnehmerschaft. Natürlich nicht als unverdientes Geschenk, sondern als Rendite für die eingezahlten Rentenversicherungsbeiträge. Mit anderen Worten: als eine kapitalgedeckte Rente!

Für mich als Küchen-Ökonom erscheint dies passend zu unserem System - die Strukturen sind bereits da, wir brauchen keine sozialistischen Umbrüche, sondern wir sollen uns lediglich auf unser kapitalistisches System verlassen.

Ich bin natürlich gerne für belehrende Hinweise dankbar, wie gesagt bin ich kein Volkswirtschaftler.

Veröffentlicht in: on 30. November 2007 at 17:08 Kommentare (0)
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Sie rennen alle so fürchterlich aufgeregt herum. Termine, Tasks, APs, Meetings, TelKos. Im Minutenabstand treffen Mails ein. Alles verlangt sofortige Antwort. Und doch weisst Du: bestimmte Dinge werden niemals vollkommen fertig. Prozessbeschreibungen - ja, aber dann gibt es noch Befindlichkeiten, Gewohnheiten, Workarounds.

Du steckst richtig drin, es ist Freitag, schon wieder nach 18 Uhr, immer weniger Büros mit Licht und auf dem Parkplatz wird wieder das Laub sichtbar. Noch eine Mail, dann ist Schluss. Gedanken umdrehen - es gibt auch noch ein anderes Leben!

Veröffentlicht in: on 23. November 2007 at 23:10 Kommentare (0)