Samstag Nacht im Dom. Die Gläubigen sind versammelt, längst sind alle Plätze belegt als wir ankommen. Im Bereich direkt nach dem Eingang ist eine Metallschale aufgestellt, ein Helfer bereitet Holzspäne für das Osterfeuer darin vor. Der riesige Raum ist nur schwach erleuchtet, und bald gehen sämtliche Lichter aus. Nur von draußen scheint ein wenig Licht durch die Kirchenfenster herein und hinterlässt seltsame Muster an den Wänden. Die Figuren und Bauteile wirken rätselhaft, nur in Umrissen zu erkennen.
Schweigend bewegt sich die Prozession der Geistlichen durch den Kirchenraum, gefolgt von den jungen Mädchen des Chores.
Dann beginnt der Ritus der Osternacht. Schon oft war ich dabei, doch noch nie hier im Dom. Zum ersten Mal wird mir der Dom als Ort der Heiligen Messe bewusst, nicht nur als Objekt für Kunst- und Geschichtsinteressierte. Die Stimmen hallen durch den Raum, der Nachklang des Gesangs ist gewaltig.
Am Osterfeuer wird die große Kerze angezündet und bald darauf halten die Gemeindemitglieder ihre kleinen Kerzen angezündet in der Hand - der Kirchenraum alleine durch die vielen hundert Kerzen hell erleuchtet.
Dann brausen die Orgelklänge durch den Raum, die Chorstimmen dazu, und die elektrische Beleuchtung wird eingeschaltet. Blicke auf die Menschen um mich herum, jeder scheint gebannt zu sein von der freudigen Stimmung.
Als wir am Ende der Messe auf den Vorplatz treten sehen wir die Schneeflocken durch die Lichtkegel der Scheinwerfer tanzen und die Windböen fassen uns kalt in die Kleider.