Was verstehen Sie unter Weihnachtsbaum-Schlagen? Menschen stehen vor den Bäumen und schlagen mit Peitschen und Ruten auf die armen Bäume ein? Der Begriff ist hier überall üblich, natürlich weiss jeder, was gemeint ist. Aber gestern hatte kaum einer eine Axt zum (Ab-)Schlagen der Bäume dabei, sondern man brachte eine Säge mit.
Die ganze Geschichte von vorne: Der Pfarrer der evangelischen Kirchengemeinde hatte zum jährlichen Weihnachtsbaum-Schlagen eingeladen. Zwei Busse brachten die Leute, Familien mit Kindern, in ein Waldstück in der Voreifel, fuhren uns sogar in den Wald hinein, noch nie habe ich einen Bus einen holprigen Waldweg hinauffahren sehen. An unserem Treffpunkt brannte bereits ein schönes Lagerfeuer, die Leute von der Jugendgruppe hatten Glühwein, Kakao, Weihnachtsstollen und Erbsensuppe vorbereitet und man stärkte sich erst einmal ordentlich. Danach schwärmten die Leute in die Tannenschonung aus. Es gab Geheimtipps zu den Standorten der besten Bäume, es wurde taxiert und gemessen. Schnell hatte jeder einen passenden Baum gefunden und man schleppte ihn zum Sammelplatz. Zwischendurch tauchte unvermittelt ein Wildschwein aus dem Unterholz auf und flüchtete unauffällig vor dem ungewohnten Getöse. Die Bäume wurden eingenetzt (so sagt man wohl dazu) und in den Lkw verladen, zum Ende der Veranstaltung sang die gesamte Gemeinschaft noch ein paar schöne Weihnachtslieder.
Die Busse schaukelten uns aus dem Wald heraus und ich döste der Heimat entgegen, während uns der Busfahrer mit öder Schlagermusik beschallte. Trotzdem war es ein schöner Nachmittag gewesen.