Weihnachtsbaum-Schlagen

Entering the Christmastree-ForestWas verstehen Sie unter Weihnachtsbaum-Schlagen? Menschen stehen vor den Bäumen und schlagen mit Peitschen und Ruten auf die armen Bäume ein? Der Begriff ist hier überall üblich, natürlich weiss jeder, was gemeint ist. Aber gestern hatte kaum einer eine Axt zum (Ab-)Schlagen der Bäume dabei, sondern man brachte eine Säge mit.

Die ganze Geschichte von vorne: Der Pfarrer der evangelischen Kirchengemeinde hatte zum jährlichen Weihnachtsbaum-Schlagen eingeladen. Zwei Busse brachten die Leute, Familien mit Kindern, in ein Waldstück in der Voreifel, fuhren uns sogar in den Wald hinein, noch nie habe ich einen Bus einen holprigen Waldweg hinauffahren sehen. An unserem Treffpunkt brannte bereits ein schönes Lagerfeuer, die Leute von der Jugendgruppe hatten Glühwein, Kakao, Weihnachtsstollen und Erbsensuppe vorbereitet und man stärkte sich erst einmal ordentlich. Danach schwärmten die Leute in die Tannenschonung aus. Es gab Geheimtipps zu den Standorten der besten Bäume, es wurde taxiert und gemessen. Schnell hatte jeder einen passenden Baum gefunden und man schleppte ihn zum Sammelplatz. Zwischendurch tauchte unvermittelt ein Wildschwein aus dem Unterholz auf und flüchtete unauffällig vor dem ungewohnten Getöse. Die Bäume wurden eingenetzt (so sagt man wohl dazu) und in den Lkw verladen, zum Ende der Veranstaltung sang die gesamte Gemeinschaft noch ein paar schöne Weihnachtslieder.

Die Busse schaukelten uns aus dem Wald heraus und ich döste der Heimat entgegen, während uns der Busfahrer mit öder Schlagermusik beschallte. Trotzdem war es ein schöner Nachmittag gewesen.

Veröffentlicht in: on 17. Dezember 2007 at 21:19 Kommentare (0)
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Gläserner Blogger

Es gibt heute Abermillionen von Blogs, Forumeinträgen, Querverweise, soziale Netzwerke (Xing) - überall geben wir fleissig unsere Meinungen kund, belegen unsere Beiträge mit Tags und stellen Beziehungen her. Alles natürlich freiwillig, keiner zwingt uns dazu. Die freundlichen Betreiber der Blog-Plattformen und Netzwerke versichern uns in ihren Geschäftsbedingungen mit den Daten sorgfältig umzugehen (siehe auch aktuelle Diskussion bei Sprechblase

 Aber: Wer garantiert uns, dass unsere Hinterlassenschaften auch noch in 10 Jahren mit gleicher Sorgfalt behandelt werden? Harmlos gestartete studentische Netzwerke werden von Medien-Multis aufgekauft und in andere Plattformen integriert, nicht auszudenken, was interessierte Marktforscher hieraus ableiten können.

Die Plattformen werden in Ländern betrieben, deren Regierungen - aus welchen Gründen auch immer - ein besonderes Interesse an Meinungsäußerungen von Ausländern haben können.

Und was wird passieren, wenn es zu gesellschaftlichen Umwälzungen kommt (aktuelles Beispiel: Russland) und eine freiheitlich-demokratische Rechtsordnung in ein totalitäres Regime mutiert, staatliche Stellen sich Zugriff auf die Datenbanken der Betreiber verschaffen und retrospektive Untersuchungen starten? Wird man uns morgen für unsere legitimen Meinungsäußerungen von heute verfolgen? 

Veröffentlicht in: on 5. Dezember 2007 at 21:25 Kommentare (0)
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